Sonntag, 8. Mai 2016


In der Mediathek in Eltville --- der Bücherwurm






Neulich habe ich ihn noch gesehen, den Bücherwurm, wie er sich wieder einmal in der Mediathek in Eltville in Bücher vertiefte - wie es sich für echte Bücherwürmer gehört, nicht ganz zeitgemäß gekleidet.

Die Mediathek in Eltville wurde 2005 in der ehemaligen Polizeistation gegründet. Der Bestand umfasst 15.500 Medien – Bücher, DVDs, CD-ROMs, CDs, MCs und Videos. Übrigens wurde die systematische Ordnung nach Wissensgebieten erst 1737 an der Göttinger Universitätsbibliothek erstmals einführte. Neben der eigentlichen Ausleihbibliothek kann man auch in Ruhe lesen oder sich an verschiedenen Veranstaltungen erfreuen – wie z.B. Ausstellungen, Vortragsreihen oder Erzählrunden wie der Völkermühle der Philipp Kraft Stiftung mit Geflüchteten.

Spitzweg malte dieses bekannte Bild um 1850, er nannte es „Der Bibliothekar“, heute gehört es zur Sammlung des Museum Georg Schäfer in Schweinfurt. Ein weiteres Bild des gleichen Motivs malte Spitzweg ein Jahr später. Eine letzte Version stammt von 1884.

Sonntag, 1. Mai 2016


Etwas Spargel gefällig?

Um den Mai herum ist Spargelzeit. Geschätzt werden dabei die Triebe des Gemüsespargels (Asparagus officinalis), die am besten in lockerem, sandigen, nicht zu feuchten Boden gedeihen.    Sobald die Spargeltriebe im Frühjahr die Dammkrone durchbrechen, werden sie in mühevoller Handarbeit bis zu 25 cm ausgegraben und am unteren Ende  mit einem speziellen Stechmesser abgeschnitten (gestochen). Nach dem „Stechen“ wird das entstandene Loch wieder aufgefüllt und die Oberfläche geglättet, um das Austreiben weiterer Triebe besser erkennen zu können.

Nach Johannes, dem 24. Juni, lässt man die Triebe bis  1,5 Meter hoch wachsen. Die blattartigen Zweige sind nadelförmig, glatt. Die Beeren sind scharlachrot und gering giftig. In China war die Pflanze schon vor 5000 Jahren als Heilpflanze bekannt. In unsere Region haben ihn vermutlich die Römer mitgebracht (bleiernes Preisschild für Spargel aus dem 2. Jahrhundert in Trier gefunden). Die Farbe ergibt sich teilweise allein durch die unterschiedliche Ernteweise - weiße Spargeltriebe sind unter der Erde abgeschnitten worden, grüne und violette über der Erde.

Immerhin umfasst die Gattung Asparagus etwa 220 Arten in Euroasien, Afrika und China. Deutschland ist mit über 90.000t der größte Erzeuger in Europa,  aber weit hinter China mit rund 7.000.000t.

Samstag, 30. April 2016

Raubritter

Ritter hatten als Gegenleistung für ihr Lehen dem Kaiser Kriegsdienste zu leisten. In erklärten Fehden sich eines anderen Ritters Burg und Einflussgebiet zu bemächtigen, galt als ritterliches Leben, Totschlag und Raub waren unter diesem erklärten Fehde-Zustand erlaubt. Erst im Landfrieden von 1495 (Reichstag zu Worms) wurden Fehden verboten.
Als im 12 und 13. Jahrhundert zunehmend die Geldwirtschaft die Naturalwirtschaft – Haupteinnahme der Ritter - ersetzte, verarmten manche Rittergeschlechter des niederen Adels. Man suchte neue Einnahmequellen - Straßenraub oder auch Raubzüge zur Plünderung von Städten bzw. ganzen Gegenden. Das verherrlichte Ritterleben nahm einen bitteren Weg. Erst als die Landesherren, Kaiser und Könige, oder die aufstrebenden Städte dagegen mit Waffengewalt einschritten, fand dieses Unwesen im 16. Jahrhundert ein Ende.   

Auch im Rheingau gab es Raubrittertum. Besonders werden die Ritter Philipp von Hohenfels auf Reichen-stein (sein Sohn Dietrich, wohl noch intensiver) und Waldeck auf Sooneck erwähnt, deren Burgen mehr-fach zerstört wurden. Des Weiteren liest man vom Pfalzgraf Ludwig der Strenge und den Rittern von Rüdesheim aus der Brömserburg im Bunde  mit dem Grafen von Sponheim. Gefährdet waren vor allem die Kaufmannszüge, wenn sie in Wäldern Hohlwege durchfuhren. Die Ritter trugen an den Schilden nicht mehr ihre sonst gern gezeigten Wappen. Auch die armen Mönche verspotte man nur zu gerne. 






Diese wunderschöne Serie wurde im Wesentlichen von Franz Karl Mohr graviert.

Der ewige Hochzeiter” – ein Rosenkavalier


Haben Sie ihn nicht neulich wieder gesehen, den Nachbarn, der schon seit Ewigkeiten seiner Angebeteten immer wieder einen Strauß Rosen überreicht, aber man findet leider doch nicht zu einander? Sicher erinnern Sie sich.

Bilder von Carl Spitzweg (1808-1885) stellen für viele Biedermeier in reinster Form dar - immer etwas eigenartig, ein wenig skurril, zur Betonung des Besonderen etwas übertrieben, geradezu satirisch, aber liebevoll zum Schmunzeln. Vielleicht waren für den geborenen Münchner seine naturwissenschaftlichen Studien eine gute Basis, so viel Details so liebe voll zu erkennen.

"Der ewige Hochzeiter" ist eines dieser wunderschönen Bilder: Galant reicht der Verehrer seiner Angebeteten einen Strauß Rosen. Ich habe mich nicht an die Originalfarben gehalten, wobei Original schwer zu sagen ist, denn Spitzweg hat dieses Motiv mehrfach in Varianten gemalt.

Samstag, 12. März 2016

Der „vergessene“ Festumzug zum Weinfest  in Eltville

In vielen Weinbaugebieten gibt es eine lange Tradition, die Weinlese mit einem abschließenden Fest zu feiern. Heute ist dies in Eltville die Kappeskerb. Sie wird als solche 1654 in einer Urkunde erstmals erwähnt. Lange Zeit war damit auch der Martinsumzug verbunden. Der Tag war der Zahltag für Zins und Lohn. Nach dem Krieg geriet die Kerb etwas in Vergessenheit, wird aber seit 2001 in neuer Form gefeiert. Vor lauter Feiern haben es leider die Chronisten eine Zeit lang ganz versäumt über die großen Umzüge der Winzer nach der Lese im Herbst zu berichten. Sie werden sicherlich ähnlich schön ausgesehen haben wie die im sächsischen Hoflößnitz Mitte des 19. Jahrhunderts.  

Moritz Retzsch, Professor der Dresdner Kunstakademie, hat angelehnt an historische Vorbilder eine wunderschöne Lithographie geschaffen. Dieser Festzug aus der Hoflößnitz nach der Weintraube beim Winzerfest der Weinbau-Gesellschaft am 25.0ktober 1840 ist im Stadtmuseum Meißen (Inv.Nr. 20/65) im Original zu bestaunen. Die Darstellung im Internet soll von einer Radebeuler Künstlerin erst in den 1960er Jahren koloriert worden sein.  

Die einzelnen Elemente des wunderschönen Umzuges sind auf der Internetseite http://www.winzerzug.de/historisches detailliert beschrieben. Den Constablern und einer Musikgruppe folgend führt der rot und gelb gekleidete Herbst den Umzug an, der Weingott Bachus mit dem Herrscherstabe auf einem Triumphwagen stehend von Faunen und Bachantinnen umgeben folgt ihm, Armor sitzt auf einem Weinfass, junge Frauen tragen obst- und weingefüllte Körbe, Berufsgruppen mit ihren Gerätschaften folgen, die Handwerker, die Schaumweinproduzenten, die Küfer, die Winzer und Winzerinnen, die 3 fiscalischen Bergvoigte, der erste Winzermeister Sachsens darf nicht fehlen, Herolde, Musikgruppen, Fahnen und schließlich schließt das Volk den Reigen ab, der Harlekin ist auch dabei.

Ein kleiner Markt ist zu sehen und viele Passanten säumen den Weg, auch darf das Nassauer Militär nicht fehlen.   

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Bild 1: Winzer als Constabler
 
 
 
 
 
 
 
 
Bild 2: der Herbst
 
 
 
 
 
 
 
Bild 3: Bacchanten
 

 
 
 
 
 
 
 
Bild 4: Begleiter des Bacchus
 

 
 
 
 
 
 
 
Bild 5: Bacchus und Faunen
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Bild 6: Musikanten und Fahnenträger
 
 
 
 
 
 
Bild 7: Amor auf dem Fass
 
 
 
 
 
 
 
 
Bild 8: Blankwein Küfer
 
 
 
 
 
 
 
 
Bild 9: Fabrikation moussierender Weine
 
 
 
 
 
 
 
Bild 10: Böttcher
 
 
 
 
 
 
 
 
Bild 11: Küfer
 
 
 
 
 





Bild 12: Winzerfahne
 
 
 
 
 
 
Bild 13: Winzermeister Sachsens, Bergvoigte, Pritschenmeister
 
 
 
 
 
 
 
Bild 14 und 15: Winzer und Winzerinnen
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 









Bild 13: Kalebstraube
 
 
 
 





Bild 14: Weinbergsmeister und Harlekin
 


















 
 
Bild 15, 16, 17: Volk
 

 

 
 
 
 
 
 
 
 




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Diese Vorlage nutzte Helmut Braune aus Meißen und hat sie in meisterhafterweise in Schieferformen gestichelt, so dass man heute diesen großartigen Figurensatz bei seinem Sohn kaufen kann (siehe www. http://zinnfiguren-braune.de). Ich habe dann um den Umzug noch ein paar Zuschauer aus demselben Hause und von Rudolf Grünewald/Elze als Kulisse herum gruppiert.
 
Weil der Umzug auf gute 2m Länge kommt, habe ich ihn dreigeteilt, so dass ich die drei Elemente in einen Holzkasten einschieben kann, um ihn einerseits gut transportieren zu können, andererseits gut lagern zu können und dennoch nicht zu viel Platz zu verbrauchen.

















Samstag, 2. Januar 2016


Wiesbadener Offiziere im Kaiserreich um 1900

Im Kaiserreich war auch Wiesbaden ein Militärstandort, aber mit einem Füsilier-Regiment und einer Artillerie-Abteilung, ein vergleichsweise kleiner. In Mainz, Darmstadt oder Frankfurt lagen deutlich mehr Einheiten. Alleine bei den Besuchen des Kaisers trat das Militär dann etwas mehr in Erscheinung und durfte im Kurpark paradieren.

1868 wurde ein ca. 30ha großer Exercierplatz auf dem Gelände des heutigen Europaviertel  angelegt. 1897 verlegte das II. Bataillon des Füsilier-Regiment von Gersdorff (Kurhessisches) Nr. 80 in die dortige Gersdorff-Kaserne. Die II. Abteilung des 1.Nassauischen Feld-Artillerie-Regiment 27 Oranien rückte 1911 in die auf dem Gelände ergänzte Oranien-Kaserne ein. Und schließlich kam auch das I. Bataillon der Füsiliere in die südlich ausgebauten Gebäude.  Beide Verbände waren Teile des XVIII. Armee-Korps aus  Frankfurt a. M.



Wir sehen hier Generale bei der Geländeerkundung im Winter im Paletot. Der Infanterieoffizier (rote Besatzstreifen an der Mütze, dunkelblauer Kragen und rotes Kragenfutter)  prüft mit dem Fernglas die Kartenangaben des Kameraden der Artillerie (schwarzer Besatzstreifen an Mütze und dunkelblauer Mantelkragen). Begleitet werden sie von zwei Offizieren ihrer jeweiligen Truppengattung, wobei der rechte sogar einen Pelz trägt. Die 1914 von Heinrichsen in Nürnberg gravierte Figurengruppe stellt eigentlich Hindenburg mit seinem Stab bei Tannenberg dar. 

In der zweiten Gruppe sehen wir zwei Infanterie-Offiziere (roter Besatzstreife an Mütze und rote
Uniformkragen), die das Gelände in anderer Weise erkunden. Sie überlegen noch, ob sie nach Wiesbaden zurückkehren oder lieber nach Eltville in den Gutsauschank ziehen.

Sie tragen in der Farbe ihrer Waffengattung den Überrock, das bei allen Offizieren sehr beliebte Kleidungstück für den kleinen Dienst. Dazu trug man die lange Tuchhose von dunkelblauer Farbe mit einer 1,5mm breiten  Biese in der Waffengattungsfarbe an den Seiten. Der Graveur der Offizin Kilia aus Kiel hat den beiden noch eine Feldbinde gegeben, wie sie zum kleinen Dienst unüblich war. Als Nassauer Kontingentsangehörige haben sie eine zweite Kokarde in Landesfarbe (weiß-rot-weiß) an der Mütze und drei rote Streifen in der Feldbinde

Freitag, 25. Dezember 2015


Schlacht von Zorn – 12. Juli 1866



Im Bruderkrieg um die Vorherrschaft im Deutschen Bund zwischen Österreich und Preu0en hatte sich das Herzogtum Nassau für die Seite Österreichs entschieden.  Im VIII. Bundesarmeekorps stand man zusammen mit Württembergern, Badensern und Hessen im Mainbogen.  Die Preußen machten von Koblenz und Trier immer wieder den Taunus mit einzelnen Streifzügen unsicher – oft requirierten die blauen Soldaten Kassen, aber auch Weinkeller. So waren die Nassauer im Wesentlichen bis dato nahezu nur marschiert, vom Main in den Taunus und zurück. Am 2. Juli siegte Preußen in der Schlacht von Königgrätz.

Anfang Juli rückten die Preußen  bis nach Nastätten und Holzhausen vor, die Residenzstadt schien bedroht, und sofort eilte eine Nassauer  Brigade, bestehend aus dem 1. und 2. Infanterie-Regiment, dem Jäger-Bataillon und zwei Halbbatterien, entgegen. Das 1. Regiment griff am 12. Juli mit dem Jägerbataillon nachfolgend über Zorn den Feind in Nastätten an.  Die einfallenden Preußen waren Landwehr-Regimenter – meist ältere Jahrgänge -, die noch mit Vorderladern ausgerüstet waren, nicht mit den modernen Zündnadelgewehren. Man verspürte wenig Kriegslust und half  auf den Dörfern den Bewohnern bei der Ernte.

In Zorn saß das Landwehrbataillon II aus Trier gerade in der Gastwirtschaft bei Caspar Schmidt und spülte an diesem heißen Tag intensiv mit Bier und Wein den Staub der beendeten Ernte aus den Kehlen. Als  einer vom ihnen heraustrat, stand dort plötzlich der Nassauer Gefreite Philipp Peter Ludwig aus Miehlen von der 5. Kompanie, die vom Grauen Kopf aus nördlich umfassend angriff. Vor Schreck bat der Landmann um Pardon, dieser gewährte ihm das aber nicht, schoss, verfehlte und traf das Dach. Aufgeschreckt traten schnell  die Kameraden heraus  und erwiderten das Feuer und so entwickelte sich die Schlacht von Zorn, an deren Ende die Preußen, nachdem auch die Nassauer Artillerie vom Grauen Kopf aus einwirkte, sich mit acht Verwundeten und zwei Gefangenen, der eine Kamerad hatte den anderen nicht verwundet zurücklassen wollen, zurückzogen. Es war der wohl einzige preußische Rückzug in diesem Krieg. Die Nassauer setzten bis  Holzhausen erfolgreich nach.

In der Szene haben die Landwehrsoldaten teilweise noch gar nicht den Ernst der Lage erkannt, unter den Bildern des Herzogs sitzen fröhlich die Offiziere mit einem Ulan vom Rheinischen Ulanen-Regiment Nr. 7 aus Trier bei einigen Flaschen Wein am Tisch, einige Soldaten scheinen  nur noch bedingt einsatzbereit. Vor der Tür haben andere schon ihre Gewehre ergriffen, das Gefecht aufgenommen und die Nassauer aus dem Schutze des Gemüsegartens heraus zunächst in der Obstbaumplantage zurückgedrängt. Man hat schon zwei Verwundete zu beklagen. Die Landwehr trug zu dieser Zeit eine Art Schirmmütze aus Tuch, nicht die bekannte Pickelhaube. Auf der Mütze prangte seit den Befreiungskriegen als Zeichen der Landwehr ein weißes Kreuz..

Rechts erwehren sich die Nassauer, man birgt den Gefreiten Ludwig, er wird am Ende des Scharmützels der einzige Nassauer Verlust  sein; man beerdigt ihn im Alter von 26 Jahren auf dem Friedhof von Kemel. Ein schlichtes Kreuz unter einem Apfelbaum am Breiten Weg in Zorn kennzeichnet den Ort seines Todes. Typisch für die Nassauer Uniform ist die dunkelgrüne Jacke mit der roten Paspelierung. Das eigentlich gelbe Lederzeug und die Gamaschen wurden im Krieg schwarz-grau gefärbt.

Am 15. Juli verließ Herzog Adolf von Nassau seine Residenz, am 18. Juli wurde Wiesbaden besetzt und am 20. September 1866 wurde Nassau von Preußen annektiert.